Das Team mountix.com beim Viking Women’s Trail – Ladies in Pink

 

Wie ist es mit Familie zu einem 3tägigen Trailrun Wettkampf zu reisen und diesen auch noch zu gewinnen? Stefanie Felgenhauer vom Team mountix.com erzählt es euch:

Emanzipation sein Dank, ein reines Frauenevent für Trailrunnerinnen. Das soll jetzt nicht negativ gemeint sein, der Viking Women’s Trail ist eine nette Idee! Frauen treffen sich zum Laufen in einer wunderschönen Umgebung, nachmittags und abends wird beim Yoga und beim gemeinsamen Essen entspannt und geratscht. Im Vordergrund stehen das Zusammensein und die lockere Atmosphäre, nicht die Zeit und die Leistung. So jedenfalls wird es kommuniziert, mich lockte einfach die Idee nur mit Frauen zu laufen und neue Leute kennen zu lernen.

Die Strecken von insgesamt 29 Kilometern und fast 2.000 Höhenmetern in drei Tagen waren für mich kein wirklicher Anreiz bis nach Neukirchen am Großvenediger zu fahren. Aber so hatte ich Zeit meine Familie, sprich meine beiden Kinder mit 1 und 2 Jahren mitzunehmen. In Neukirchen fanden wir auch ein großartiges Hotel direkt am Start- und Zielbereich, das Hotel Unterbrunn. Uns empfing eine sehr nette, junge Familie deren jüngste Tochter unsere beiden Kleinen gleich ins Herz schloss. Ein großes Zimmer mit viel Platz für die Kleinen sowie ein reichhaltiges Frühstücksbüffet rundeten eine richtig tolle Übernachtung perfekt ab. Somit hatten wir in dieser Hinsicht schon mal mehr Glück als einige Trailladies, die nicht so begeistert von ihrer Unterkunft waren. Abgepacktes Frühstück und Jugendherbergsflair ist anscheinend nicht so jederfraus Sache.

Freitag stand noch der Sprint SILVA Ladies Trail an: 5 Kilometer und 120 HM in absoluter Dunkelheit, nur mit Stirnlampe. Eine ganz neue und sehr interessante Erfahrung für mich. Leider konnte ich mich der vorher kommunizierten Entspannung nicht so ganz anpassen, einmal Wettkampfläuferin immer Wettkampfläuferin. Außerdem bin ich leider niemand der so leicht auf Leute zugehen kann, was leider manchmal arrogant wirkt. Deshalb tat ich mich am ersten Abend sehr schwer in das ganze Gefüge rein zu kommen. Bei den „normalen“ Rennen mit männlicher Beteiligung ist es doch oft einfacher für mich. Über Zeiten und bisherige Rennen lässt es sich doch etwas leichter ein Gespräch anfangen. Die Kinder lagen brav im Bett und wurden vom Handy überwacht (ein App lässt zu das wir sogar das Hotel verlassen – wir haben in dieser Hinsicht schon Erfahrung und waren sicher dass sie zusammen im Bett friedlich schlafen) während ich mich auf machte zum Start und Marco ein paar Fotos schoss.

Völlig neu war für mich nicht nur die kurze Strecke sondern auch die „Konkurrenz“, ich konnte niemanden einschätzen. Wir starteten im 15-Sekunden Abstand und ich war mit Nummer 6 einigermaßen weit vorne. Was mich dann aber wirklich überraschte war das ich nach der Hälfte des Rennens vorne war, einzig Startnummer 1, Sarah Dreier aus Neukirchen kam noch ein bisschen mit. Gemeinsam suchten wir unseren Weg durch den dunklen Wald, über Bäume, Wurzeln, Steine – es machte wirklich unglaublich viel Spaß! Im Ziel hatte ich dann fast 2 Minuten Vorsprung und bekam mein erstes Führungstrikot überreicht! Derweil machten es sich viele der Läuferinnen beim gemeinsamen Grillen im „Schweini´s“ gemütlich, was soll ich sagen? Grillen vor einem Wettkampf – leider nicht so meins. Klingt wieder arrogant? Geht an dem Grundgedanken der Veranstaltung vorbei? Vielleicht. Aber wenn ich schon laufe dann will ich mein Bestes geben. Und obwohl 15 km nicht meine Stärke sind war ich doch aufgeregt.

Die Startzeit um 10 Uhr der WOLY SPORT Challenge war aber absolut perfekt. Wir frühstückten lange und ausgiebig mit den Kids bevor es nach draußen ging in den strahlenden Sonnentag. Zum ersten Mal in diesem Jahr brauchte ich bei einem Wettkampf keine Regenjacke! Wunder geschehen immer wieder! Und während Marco mit den Kids im Kinderwagen die Strecke entgegen ging, lief ich ein relativ einsames Rennen. Die Führende der Masters Wertung, Ines Marquardt und ich zerlegten das Feld auf den ersten Kilometern gleich einmal und nach kurzer Zeit war ich allein. Ein Rennen mit männlicher Beteiligung hat manchmal seine Vorteile, man verfällt einfach nicht so leicht in einen Trott wenn man jemanden vor sich sieht oder hinter sich weiß. Die Strecke war landschaftlich dann doch ansprechend, über Felder, flowige Trails, vorbei an einen beeindruckenden Wasserfall –  wirklich schön gewählt. Im Ziel kehrte ich dann sofort wieder um und suchte meine Familie, mit der ich dann den Dorfbrunnen enterte in dem Sarah bereits ihre Beine kühlte! Respekt an sie, ich wäre da nicht rein gekommen. Die Stimmung im Zielbereich war locker und entspannt, aber auch nicht anders als bei so machen anderen Rennen. Im Endeffekt vergleicht man dann doch zu gern Zeiten und Leistungen. Während die Ladies nachmittags zum Yoga gingen planschte ich mit den Kindern im hoteleigenen Schwimmbad, man kann mit Kindern halt nicht überall dabei sein auch wenn mich das Yoga interessiert hätte. Auch das abendliche Ladiesdinner ließen wir aus, was aber kein Fehler war wenn ich den Erzählungen der anderen Mädels so zuhörte. Vielleicht nächstes Mal doch wieder Pastaparty!

Der Berglauf am Sonntag auf den Wildkogel ließ meine Nerven dann noch einmal flattern. 9 km und 1.200 HM nur bergauf; bergab wäre mir lieber gewesen. Außerdem zeigten mir zwei Einzelstarterinnen, die nur beim Berglauf dabei waren gleich mal wo der Hammer hängt. 3 Kilometer vor dem Ziel wusste ich, Platz 4 ist ebenso weit weg wie Platz 2. Meiner Motivation tat dieses Wissen nicht gerade gut und so genoss ich mehr die Aussicht auf den schneebedeckten Großvenediger als auf mein Tempo zu achten. Was im Endeffekt aber egal war, der zweite Platz in meiner Altersklasse in der Tageswertung war mir sicher. Ebenso der Sieg in der Women’s Kategorie. Und als Trailqueen durfte ich mich auch noch ehren lassen, ich lief an allen drei Tagen die schnellste Zeit. Wow, ich war wirklich überrascht und stolz.

Was ich von diesem Wochenende mit nehme? Dass ich ein paar wirklich nette Frauen kennen gelernt habe, mit denen es echt Spaß gemacht hatte ein Glas Sekt zu schlürfen nach dem Zieleinlauf. Das Wissen, dass ich meine Kinder problemlos zu Wettkämpfen mitnehmen kann da sie wahre Engel sein können. Ob so ein reiner Frauenwettkampf Sinn macht? Sicher, viele Frauen wollen ohne großen Druck laufen können, Druck, dem sie bei einem normalen Wettkampf anscheinend ausgesetzt sind. Jede der 70 Starterinnen war hier eine Siegerin, eine Siegerin über sich selbst! Dem stimme ich vollkommen zu! Aber Ladies, ihr seid bei jedem anderen Trailrun auch herzlichst willkommen! So mancher Mann muss sicher erst einmal trauen das zu leisten was ihr an diesem Wochenende geleistet habt!

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