mountix.com- & BERGSTEIGER-Tour des Monats: Mit Peter auf den Großen Rettenstein in den Kitzbühler Alpen

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Seit Oktober küren wir von mountix.com gemeinsam mit dem Magazin BERGSTEIGER die Tour des Monats. Dieses Mal erzählt Euch mountix.com-Mitglied Peter von seinen Erlebnissen in den Kitzbühler Alpen…

„Der Große Rettenstein war mir bis vor ein paar Wochen gar kein Begriff; ich hätte nicht mal sagen können, wo der steht. Bis ich meine Begleiterin am Pendling oben gefragt habe, was das  denn für ein toller Berg in der Ferne sei, der raus ragt wie ein Zacken. Der Rettenstein – da muss ich doch glatt mal hochgehen, dachte ich mir.

Kurze Zeit später ergab sich ganz spontan die Möglichkeit, den Gedanken in die Tat umzusetzen. Und wo es einen Großen Rettenstein gibt hat es vielleicht auch noch einen Kleinen Rettenstein? Gefunden war er schnell und die Idee kam auf, eventuell beide zu machen. Am besten gleich mitsamt der Gratüberschreitung vom Roßgruberkogel rüber zum kleinen, nachdem ich zuerst auf den großen gegangen bin. Okay, vielleicht gehen wir einfach erst mal auf den großen, dann sehen wir weiter…
Die Hinfahrt von Oberschleißheim verlief recht zügig und endete erst mal vorsichtig am Beginn der Mautstraße. Schranke offen, keiner im Häuschen. Einfach reinfahren ohne zu
zahlen? Da gibt’s später bestimmt g’schimpft. Vor allem mit meinem HH-Nummernschild, da biste ja gleich der Staatsfeind Nummer eins. Bis Du da die Chance hast, Dich zu erklären und die Leute am Dialekt merken, dass ich nicht aus Hamburg komme, ist es sicherlich zu spät. Aber die Straße hochlatschen? Na, des taugt mir ja gleich gar nicht. Was solls, kann ja später zahlen wenn ich rausfahre.
Ich bin noch nicht lange unterwegs und merke bereits nach wenigen Höhenmetern, dass die Tour vom Vortag an meinen Beinen nicht spurlos vorüber gegangen ist. Naja, was solls, wird’s eben ein gemütlicherer Aufstieg. Kurz drauf kommt mir der erste Bursch entgegen. Kurzer Blick auf die Uhr, wir haben es grad kurz nach 9 und er kommt schon von oben runter und das noch in einem recht flotten Schritt. Hm… wohl motiviert durch die gewonnene Stunde der Zeitumstellung. Tja wärst mal früher aufgestanden, dachte ich mir. Nachdem ich aus dem ersten Waldstück raus bin, empfängt mich die Sonne, sowie links und rechts  schöne steile Wiesenhänge, die ich heute zum Glück nicht überwinden muss. So folge ich dem Weg weiter Richtung Schöntalalm. Kurz nach den Almen, die nächsten beiden Wanderer, die wohl ebenfalls heute schon oben waren. Naja egal, kommt zwar nicht oft vor, dass mir die ersten im Aufstieg entgegen kommen, aber die Zeitumstellung muss wohl bei mehreren motivierend gewirkt haben. Ganz nebenbei ist der Weg nach der letzten kleinen Hütte echt toll, ein etwas lichter Wald mit zum Teil recht großen Gesteinsbrocken. Da kommt auch schon die erste Warntafel mit dem Hinweis auf Steinschlaggefahr. Bei den Steinen, die hier so rumliegen, dürfte mir auch mein Helm nichts helfen. Nachdem der Weg merklich ansteilt, kommen mir die nächsten fünf Wanderer entgegen. Ja sag mal, was ist denn heute los? Nicht nur, dass die alle schon auf dem Rückweg sind, sondern auch noch recht flott. Hab ich da was verpasst – sind in den Kitzbühlern nur die fitten Frühaufsteher unterwegs?Wurscht, meine Beine lassen mich grad spüren, dass sie den mittlerweile steilen Weg nicht mehr so witzig finden. Gott, wie ich so stufig steiles Gelände lieb habe… Zu allem Überdruss wird es auch ganz schön kühl und wo ist eigentlich der Gipfel? Seit wann hat es eigentlich so einen Nebel? Ach ja, das Wetter sollte ja ab Nachmittag etwas schlechter werden. Zwar sind wir vom Nachmittag noch etwas entfernt, aber hier läuft wohl vieles etwas anders. Endlich mal wieder ein Paar, das ich überholen kann (wobei der fitte Part zweifelsfrei ihr zu zuschreiben ist). Ihm geht es wohl ähnlich wie mir, bin ich doch vorhin fast auf meine Zunge gestiegen. Dank des Nebels kann ich mich gut auf den Weg konzentrieren, von Aussicht keine Rede mehr.
Nun passiert, was unvermeidbar war – der schon von weitem nahende Verfolger lässt mich stehen als wenn ich genau das tun würde. Was für ein Tag, denke ich mir, da kommt mir die letzte Gruppe von Wanderer entgegen. Meine kurze Anmerkung „Dass ihr heit alle scho ob’n warts?!“ wurde kurzer Hand mit „Ja wärst scho z’spat losganga sei“ beantwortet. Gut, nun bin ich auch mit meinen Beinen einer Meinung – es wird Zeit dass ich ankomme! Dankenswerter Weise sehe ich endlich das Gipfelkreuz, nehme beim letzten Anstieg kurz die Hände zur Hilfe und bin oben. Wow, nochmal Glück gehabt, dass der Gipfel gerade so über die Wolken hinausragt am heutigen Tag. Wer hätte gedacht, dass es von hier oben so toll aussieht? Großvenediger, Großglockner und viele mehr. Der Grat zum kreuzlosen „Mittelgipfel“ sieht echt verlockend aus, aber den heb ich mir für ein anderes Mal auf. Denn auch das Rettenstein-Duo ist heute nix für mich. Ein gemütliches Plätzchen ist gefunden und die Aussicht wird bei Banane und Schokowaffeln genossen. Abgesehen vom Wind, der deutlich macht, dass die T-Shirt-Tage für heuer der Vergangenheit angehören, ist’s hier oben echt fein!
Nach ausreichendem Bestaunen der umliegenden hohen Gipfeln und der Tatsache, dass die Wolkendecke wohl eher nicht mehr verschwindet, verschlägt es mich wieder nach unten. Diesmal mit dem Helm wo er hingehört, auf dem Kopf. Schließlich habe ich es ungewollt geschafft diesen im Aufstieg brav am Rucksack zu lassen, statt ihn aufzusetzen. Obwohl eine Menge  Geröll rumliegt, kam nicht ein einziger Stein runter. Überhaupt geht sich der Weg bergab sehr gut und ich komme wenigstens in dieser Richtung etwas voran. Erst als ich wieder an  den Almen bin, reißt es zunehmend auf. Der letzte Teil durch den Wald zieht sich wie Kaugummi und man merkt mal wieder welche Wegstrecke man im Aufstieg zurückgelegt hat.  Das einem sowas immer erst im Abstieg bewusst wird? Zuletzt mache ich noch einem Bergläufer Platz, der mal kurzer Hand den Berg hinunter läuft. Heute bekomme ich es aber auch  richtig serviert.
Am Auto angekommen, des Kasplatzl hat leider zu, ist der Himmel fast wolkenfrei. Wer schreibt eigentlich Drehbücher wie heute? Bevor ich die Mautstraße wieder verlasse, wird noch brav gezahlt und ich beschließe meinen knurrenden Magen im Café mittels einem Cappuccino und einem Stück Himbeerkuchen  zumindest für die restliche Strecke ruhig zu stellen.
Am Ende vom Tag kann ich nur sagen: Rettenstein Du hast mich nicht das letzte Mal gesehen und wie immer hat sich gezeigt, oben ist’s doch am scheensten!“

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