mountix.com-Tour der Woche: In der Schweiz ganz oben! Mit Emanuel und Tobias auf die Dufourspitze

[nggallery id=20]

Ab sofort veröffentlichen wir hier jede Woche die Tour eines mountix.com-Mitglieds. Hattet Ihr ein schönes Bergerlebnis und habt ein paar Fotos mitgebracht? Dann einfach Vorschläge schicken an tour@mountix.com

Ein Hochtouren-Wochenende Mitte Juni? In den Westalpen bedeutet das dieses Jahr: Ski mitnehmen. Tobias Rapp und Emanuel Schönfeld wollten sich ohnehin nicht von der Skitourensaison verabschieden. Getreu dem Motto: „Das Beste kommt zum Schluss!“, ging es in die Schweiz. Was sie im Wallis erlebt haben, erzählen sie uns exklusiv.

„Bergaspiranten mit schweren Rucksäcken, die mit den Ski auf den Schultern und begleitet durch ein melodisches Klirren der Karabiner an ihrem Klettergurt durch Zermatt gehen, sind sicher keine Seltenheit. Wir fühlten uns dennoch etwas fehl am Platz, als wir morgens vom Bahnhof quer durch den Ort zur Talstation Furi liefen. Von dort ging es mit der Seilbahn auf das Klein Matterhorn. Die Anzeichen, dass die Wintersaison eigentlich vorbei ist, waren wirklich allgegenwärtig. Selbst die Bergführer des Alpincenters Zermatt waren im Urlaub.

Total mühelos mit der Gondel auf 3.820 m angekommen, verzögerten wir unseren „richtigen“ Start noch klassisch schweizerisch mit einer Tasse Ovomaltine. Dann aber gab es kein Halten mehr: Unser erstes Ziel war das Breithorn. Zugegeben, dieser Berg ist sowohl technisch als auch konditionell ein äußerst einfacher 4.000er, was ihn gleichzeitig zu einer idealen Eingehtour macht, um sich an die Höhe zu gewöhnen. Im Winterraum der Rifugio Val d’Ayas verbrachten wir unsere erste Nacht, die in Anbetracht der immer noch stattlichen Höhe von 3.390 m nicht frei von Nebenwirkungen wie Schwindel und Kopfschmerzen war.

Castor und Pollux, die weißen Zwillinge, hatten schon am Vortag immer wieder unsere Blicke gefesselt. In der Morgenstimmung sorgten sie für eine mystische Atmosphäre, während wir mit Steigeisen an den Füßen die erste steile Flanke aufstiegen. Bei der Abfahrt war dann alle Mystik verflogen. Mit höchster Konzentration reihten wir die einzelnen Schwünge auf dem noch gefrorenen Hang aneinander. Der Pollux, als kleinerer der beiden Brüder, hat seinen ganz eigenen Charme: Er überrascht mit netter Felskletterei, die allerdings mit großem Rucksack und Ski auf dem Rücken sowie Skistiefeln und Steigeisen an den Füßen einen ziemlichen Kraftakt von uns erforderte. Egal, die hübsche Madonnen-Figur am Ausstieg, die letzten Meter über den formschönen Gipfelgrat und die klasse Abfahrt ließen uns alle Mühen vergessen.

Nicht so schnell vergessen werden wir allerdings den Weiterweg zur Monte Rosa Hütte via Schwarztor, Schwärze- und Grenzgletscher. Während bei der Abfahrt über den Schwärzegletscher im unteren Teil zunehmendes Blankeis und offene „Spältchen“ unsere Schweißdrüsen lediglich kurzzeitig (bedingt durch Adrenalin) zu erhöhter Aktivität anregten, so flossen die Schweißtropfen anschließend in Strömen. Erst wollte der Fußweg über den fast aperen Grenzgletscher, dann der Gegenanstieg (ca. 300 Hm) zur Monte Rosa Hütte kein Ende nehmen. Entsprechend froh waren wir, als wir endlich auf der Hütte angekommen waren, auch wenn der Winterraum total überfüllt war und wir auf dem Boden schlafen mussten.

Das Aufstehen fiel folglich nicht schwer, als nachts um 2:30 Uhr der Wecker klingelte. Auch war der morgendliche Hüttentumult längst in vollem Gange und machte ein Weiterschlafen unmöglich. Zusammen mit zwei Dutzend anderen Bergsteigern machten wir uns auf die noch verbliebenen 1.840 hm zur Dufourspitze. Im Unterschied zu den anderen Gipfelaspiranten wählten wir den Weg über den Westgrat. Die Bedienungen auf dem Grat waren sehr gut. Leider mussten wir jedoch erkennen, dass das Spuren uns sehr viel Kraft kostete und die Anstrengungen vom Vortag auch noch in den Knochen steckten. Wir entschlossen uns, umzukehren. Am nächsten Tag starteten wir einen erneuten Versuch. Dieses Mal via Monte Rosa Gletscher und Silbersattel, wo wir unsere Ski deponierten. Von dort aus ging es durch das Ost-Couloir auf den Grat und weiter ausgesetzt auf den Hauptgipfel der Dufourspitze. Da standen wir nun auf 4.634 Metern – in der Schweiz ganz oben! Glücklich waren wir über das Erreichte und voller Vorfreude auf das, was uns noch erwartete: eine grandiose Abfahrt, ein krönender Saisonabschluss und ein Sommertag mit 37 Grad im Tal.“

Wikipedia-Info:

Die Dufourspitze in den Walliser Alpen ist mit 4’634 m ü. M. der höchste Gipfel der Schweiz sowie des gesamten deutschen Sprachraums und zählt zu den Seven Second Summits.

Der Berggipfel gehört zum Monte-Rosa-Massiv auf der Grenze zu Italien. Die Bergspitze liegt rund 160 m von der Staatsgrenze entfernt auf Schweizer Gebiet. Das gesamte Bergmassiv wird üblicherweise als italienisch-schweizerischer Grenzberg angesehen, sodass die Rolle des höchsten Berges, der ganz auf Schweizer Gebiet liegt, dem Dom (ebenfalls in den Walliser Alpen) zukommt.

Fotos: Emanuel Schönfeld

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Connect with Facebook