Faszination Höhenbergsteigen: mountix.com-Mitglied und Bergführer Daniel Kopp erzählt, warum ihn Everest und Co. nicht los lassen

Unknown
Daniel Kopp unterwegs in Alaska

4810 Meter. Zeigt der Höhenmesser diese Zahl an, steht man auf dem Dach der Alpen – dem Gipfel des Mont Blanc. Doch es geht noch höher hinaus. Für mountix.com-Mitglied und Bergführer Daniel Kopp sogar noch viel höher… Immer wieder zieht es ihn zu den Sieben- und Achttausendern unserer Erde. Gerade musste er am Mount Everest eine Expedition mit dem blinden Bergsteiger Andy Holzer abbrechen. Ein Gespräch über Höhensucht und Leidenschaft…


Daniel, was genau fasziniert Dich am Höhenbergsteigen?

Das sind viele Faktoren, die sich zu einem Gefühl zusammen fügen. Beim Höhenbergsteigen begeben wir uns in eine extrem wilde, eigentlich abweisende Umgebung. Die Berge dort sind viel schroffer als in der Heimat. Die Ausblicke sind gigantisch. Hinzu kommt die besondere Herausforderung, mit dem wenigen Sauerstoff umzugehen.

Wie bist Du überhaupt an die ganz hohen Berge gekommen?

Ich bin da irgendwie so reingerutscht. Früher habe ich mich nur fürs Sportklettern interessiert und jahrelang nur das gemacht. Dann habe ich meine Bergführer-Ausbildung begonnen und plötzlich rückten immer stärker die alpinen Routen in meinen Fokus. Vor einigen Jahren dann habe ich meine erste Expedition nach Alaska gemacht, zum Mount Foraker. Das ist mit 5304 Metern der zweithöchste Gipfel, gleich nach seinem Nachbarn, dem Mount McKinley (Denali) mit 6194 Metern. Danach bin ich jedes Jahr zu einer Expedition aufgebrochen. Kurz nach der Rückkehr denke ich immer: „So, jetzt mal Pause, das reicht erst mal.“ Aber einige Wochen später schmiede ich schon wieder Pläne… Irgendwie kommst davon nicht los.

Was war für Dich das Besondere am Mount Foraker?

Zum einen die Erfahrung, dass ein Fünftausender so weit im Norden ganz anders ist als ein Fünftausender im Süden. Die Atmosphäre bestimmt eigentlich die Höhe, das ist nicht vergleichbar. Die Luft ist so dünn, da kannst Du locker noch 1000 Höhenmeter im Kopf dazu rechnen. Obwohl dieser Berg so nah am Denali liegt, ist er doch total abgeschieden. Mit uns war nur eine einzige andere Expedition unterwegs. Wochenlang haben wir alleine im Zelt gehockt, keine Menschenseele gesehen, mussten alle Entscheidungen alleine treffen. Das war schon eine besondere Herausforderung. Vor allem, wenn man das das erste Mal macht.

Mittlerweile bist Du Expeditions-Profi. Dennoch gehören auch Scheitern und Rückzug dazu…

Stimmt, so wie erst gerade vor einigen Wochen. Ich war mit einer Expedition und dem blinden Bergsteiger Andy Holzer am Mount Everest. Wir wollten von der Nordseite auf den höchsten Berg der Welt steigen. Doch dann passierte dieses schreckliche Unglück, bei dem 16 Menschen das Leben verloren haben. Die Sherpa haben gestreikt und somit war auch für uns die Expedition beendet. Vielleicht versuchen wir es nächstes Jahr noch mal, dann aber über die Südseite. Die ist zwar anspruchsvoller zum Klettern, aber unkomplizierter zu versichern.

Was empfiehlst Du Alpinisten, die ins Höhenbergsteigen reinschnuppern wollen?

Bevor es zu den Bergen mit den ganz großen Namen und großen Höhen geht, sollte man die hohen Berge bei uns in den Alpen probieren. Zum Beispiel eben den Mont Blanc oder auch einige andere Berge rund um Zermatt. Auch bei einer Übernachtung auf der Regina Margherita Hütte auf 4554 Metern an der Signalkuppe kann man testen, wie einem das Höhenbergsteigen so taugt. Nächstes Ziel sind dann die technisch einfachen Sechstausender zum Beispiel in Nepal oder Südamerika. Es ist wichtig, sich langsam zu steigern, die eigenen Fähigkeiten richtig einzuschätzen und im Zweifelsfall auch umdrehen zu können.

Danke Dir für das Gespräch! Wir freuen uns auf Deinen Bericht bei mountix.com, wenn Du von der nächsten Expedition zurück bist. Alles Gute!

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In Grönland

 

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